CH-07 Was haben russische pädagogische Konzepte in österreichischen Einrichtungen zu suchen?

Mag. Jasmin Fischer-Badr

Uni Wien, Institut für Slawistik

Fachgebiet: Pädagogik
Was ist es: Abseits der offiziellen Aufbruchsbewegung im Schulsystem des deutschsprachigen Raums, das sich eher an den Ländern des europäischen Nordens orientiert, finden zunehmend postsowjetische pädagogische Konzepte Eingang in pädagogische Einrichtungen.
Dabei erfolgt die Wahrnehmung russischer Pädagogik oft klischeehaft und unreflektiert. So ist außer Lev Tolstoj kaum ein anderer Vertreter der klassischen russischen Pädagogik bekannt, das sowjetische Schulsystem wird oft mit Begriffen, wie „Drill“, „Gehorsam“, „Vaterlandsliebe“ und „Kollektiv“ assoziiert. Anhand von Plakaten wird die russische Pädagogik in ihren historischen und sozio-kulturellen Bezügen dargestellt und vor allem die Netzwerkbeziehungen zwischen Russland und den westeuropäischen Ländern aufgezeigt werden, die sich nicht erst seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion, sondern schon bereits in der Zarenzeit ihre Anfänge haben. Aufgezeigt wird auch, dass pädagogische Konzepte, die seit einigen Jahren positiv im deutschsprachigen Raum aufgenommen werden, vielfach Re-Importe reformpädagogischer Ideen sind, die vor über 100 Jahren nach Russland gelangt sind und dort in die ersten sowjetischen Schulreformen Eingang gefunden haben.