OA-28 Radiologie und Rapid Prototyping in der Archäologie

Maga phil. Ulrike Weinberger, RT
Prof-FH DI(FH) Godoberto Guevara R. PhD
Christian Schneckenleitner MSc. MSc

FH Campus Wien

Fachgebiet: Radiologietechnologie
Was ist es: 2010 wurden im Rahmen von Umbauarbeiten im Bereich des Karlsbaus der Grazer Burg – erbaut im Jahre 1570/71 mehrere menschliche Skelette aufgefunden und es wurde eine archäologische Grabung initiiert (Dr. Astrid Steinegger (FIALE/Stadt Graz, Abteilung Kultur und Wissenschaft, Land Steiermark (Referat für Wissenschaft und Forschung) und Bundesdenkmalamt (Abteilung Archäologie)).
Publ: Historisches Jahrbuch der Stadt Graz, Bd. 43, 2013

Eines der Skelette (Bestattung 10 / SE 39) wies Spuren von Gewaltverletzungen auf. Neben einer traumatischen Verletzung des Schädels durch einen ca. 8 cm langen Metallbolzen – daher die Bezeichnung als „Bolzen-Georg“, wies der Schädel zusätzliche Verletzungen am Schädeldach bzw. am Stirnbein auf. Aufgrund der Verletzungsmuster wird eine Todesursache durch massive Gewalteinwirkung angenommen.

Neben der anthropologischen Untersuchung (Dr. Silvia Renhart, Universalmuseum Joanneum, Abt. Archäologie & Münzkabinett – Schloss Eggenberg) wurde ein radiologisches Bildgebungsverfahren angewendet. Mittels Computertomographie (CT) wurden hochauflösende Schnittbilder des Skeletts angefertigt und die Daten wurden mittels spezieller Software dreidimensional rekonstruiert, sodass ein virtuelles Modell v.a. des Schädels erstellt werden konnte. Anhand der guten Visualisierung durch das 3D-Modell in Zusammenschau mit forensischen Analysen konnte ein wahrscheinlicher Verletzungshergang rekonstruiert werden (Datenbearbeitung Dr. A. Bornik, LBI Graz).

Die Datensätze wurden an der FH Campus Wien segmentiert und es wurde mittels Rapid Prototyping Technologie ein 3D Modell produziert (Maga. U. Weinberger, Prof-FH (DI) FH G. Guevara R. PhD, C. Schneckenleitner MSc. MSc.).
Das Modell wurde für Ausstellungs- und Lehrzwecke fotorealistisch bemalt und mittels eines 3D Oberflächen Scanners optisch aufgenommen. Anschließend wurde vom Modell selbst eine 3D Visualisierung erstellt.

Wissenschaftliche Station: Es wird das Modell vom „Bolzen-Georg“ voraussichtlich in einem ausgrabungsähnlichen Lage präsentiert. Zusätzlich wird ein Plakat gezeigt in dem das Projekt beschrieben wird. Im weiteren werden in einem Monitor 3D Rekonstruktionen und Simulationen aus den Originaldaten vom CT gezeigt. Wir werden eventuell mit dem Oberflächen 3D Scanner live scannen.

Fotocredits: © FH Campus Wien